Die Einsamkeit überwinden

Mitunter geht es ganz schnell. Der Umzug in eine andere Stadt, Trennung, der Verlust eines nahestehenden Menschen, die Pensionierung oder die lebensverändernde Diagnose können einsam machen. Manchmal ist Einsamkeit aber auch ein lebensbegleitendes Gefühl, war schon immer oder jedenfalls lange präsent oder hat von einem bestimmten Punkt, einem Abschied, einer Krise an einen Lebensweg geprägt.

Einsamkeit ist ein Gefühl, das nicht zwangsläufig aus der Abwesenheit anderer Menschen entsteht. Allein zu sein bedeutet noch lange nicht, Einsamkeit zu erleben. Im Gegenteil: Alleinsein kann mit Ruhe, Genuß, Erholung und Kreativität einhergehen. Und umgekehrt: Wir können mitten unter Anderen sehr einsam sein: weil wir die Sprache der Anderen nicht sprechen und ihre Werte und Weltsicht nicht teilen. Oder weil wir über das nicht verfügen, was gerade hoch im Kurs steht: das mag Jugendlichkeit sein und Kraft oder Herkunft, das schmissigste Vokabular oder der gerade angesagte Turnschuh.

Einsamkeit lastet. Einsamkeit bedrückt und kann krank machen. Vitalität und Stimmung verändern sich unter Umständen ebenso wie die Wahrnehmung und Bewertung der Umwelt, der Mitmenschen und von uns selbst.

Einsam werden beziehungsweise einsam sein und die damit in Zusammenhang stehenden psychischen Beschwerden sind gute Gründe, einen Psychiater oder Psychotherapeuten aufzusuchen. Ausgangspunkt eines therapeutischen Gesprächs wird meist eine Analyse der konkreten persönlichen Lebenssituation, psychischer Beschwerden sowie vor allem des Persönlichkeitsbildes und der Beziehungsgeschichte sein. Viele Gespräche haben den Charakter kurzer Klärungsprozesse. Tiefgreifende Leidenszustände führen dagegen häufiger in eine länger dauernde psychotherapeutische Behandlung, in der psychische Hemmungen gelöst und persönlichkeitsgebundene Aspekte erarbeitet werden können. In der spezifischen Atmosphäre der psychotherapeutischen Einzel- oder Gruppenbehandlung und mit Hilfe konkreter Interventionen gelingt es, sich wieder (oder auch erstmals) verständlich zu machen, Abschied zu nehmen, sich durchzusetzen oder annehmbare Kompromisse zu schliessen und so die Einsamkeit zu überwinden.