“Und dann ich habe ich damals über ein Jahr eine Gesprächstherapie gemacht”. Häufig wird der Begriff “Gesprächstherapie” von Patienten und ärztlichen Kollegen synonym für Psychotherapie im Allgemeinen oder tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie im Speziellen verwendet. Seltener ist tatsächlich die Gesprächspsychotherapie (n. Rogers) gemeint. Meist klärt sich die Frage nach psychotherapeutischen Vorerfahrungen, wenn ich nach der spezifischen Behandlungssituation (“Setting”) und der Atmosphäre während der psychotherapeutischen Behandlung frage. Psychotherapeuten können in Deutschland sowohl Ärzte (z. B. “Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie”) als auch Psychologen (“Psychologische Psychotherapeuten”) sein.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapien bzw. Psychodynamische Psychotherapien sind als wissenschaftlich begründete Psychotherapieverfahren für das gesamte Spektrum psychischer und psychosomatischer Störungen geeignet und gehören zum Leistungskatalog der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung. Die gesetzlichen Krankenversicherungen, die Beihilfe und auch viele private Krankenversicherungen verlangen neben einem Nachweis der Therapeutenqualifikation (Facharzttitel oder Zusatzbezeichnung “Psychotherapie” für Ärzte bzw. Approbation als Psychologischer Psychotherapeut für Psychologen) auch einen ausführlich begründeten Psychotherapieantrag durch den (ärztlichen oder psychologischen) Psychotherapeuten.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapien können als Einzel- oder Gruppentherapien gestaltet werden. Die Behandlungsdauer liegt häufig zwischen 25 – 50 Stunden à 50 Minuten. Die Behandlung findet üblicherweise im Sitzen statt (die “Couch” ist der analytischen Psychotherapie vorbehalten) und folgt einigen festen “behandlungstechnischen” Regeln, die meist zu Beginn der Therapie erläutert werden. Häufig führen zunächst der Wunsch nach der Beseitigung psychischer oder psychosomatischer Beschwerden oder wiederkehrende Beziehungsschwierigkeiten in die psychotherapeutische Behandlung.

In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie weitet sich der Blick vom Symptom hin zu seinen Ursachen. Die Behandlung beginnt (schon in den probatorischen Sitzungen) mit einer differenzierten Vergegenwärtigung der eigenen Lebensgeschichte, aktueller Beziehungskonstellationen, Ressourcen und Konflikte. Im Behandlungsverlauf wird das Gespräch oft zunehmend freier, spontaner. Die Beziehung zum Psychotherapeuten wird tragfähiger, entfaltet sich auf eine für dieses Verfahren spezifische Weise („Übertragungsbeziehung”) und wird in ihren verschiedenen Facetten zunehmend nutzbar gemacht. Das Selbstwertgefühl kann gestärkt und die Selbst- und Fremdwahrnehmung geschärft werden. Eine erfolgreiche psychotherapeutische Behandlung führt nicht nur zu Symptomreduktion, sondern auch zu einem Gewinn an innerer Freiheit, Flexibilität und Kompromißfähigkeit.